Feinsteinzeug ist die härteste und dichteste Fliese, die Sie kaufen können. Genau daraus ergeben sich seine Nachteile: Es ist schwer zu schneiden, schwer zu bohren, kühl unter den Füßen und in polierter Ausführung empfindlicher, als man denkt.
Was sind die Nachteile von Feinsteinzeugfliesen?
Feinsteinzeug wird bei rund 1.200 Grad so dicht gebrannt, dass es weniger als 0,5 Prozent Wasser aufnimmt. Das macht es frostbeständig, fleckenunempfindlich und nahezu unverwüstlich. Aber jede Eigenschaft hat eine Kehrseite, und die sollten Sie vor dem Kauf kennen:
- Zuschnitt und Bohrungen. Ein einfacher Fliesenschneider kommt bei dickem Feinsteinzeug an seine Grenze. Für saubere Schnitte braucht es eine Nassschneidemaschine mit Diamantscheibe, für Steckdosen und Rohrdurchführungen Diamant-Bohrkronen. Das kostet den Verleger Zeit, und die Zeit zahlen Sie.
- Gewicht. Eine Platte 120 mal 120 Zentimeter in 10 Millimetern wiegt rund 33 Kilogramm. Großformate werden zu zweit und mit Saugheber verlegt. Für den Transport in den dritten Stock ohne Aufzug ist das ein Thema, das Sie vorher klären sollten.
- Kälte. Feinsteinzeug leitet Wärme gut. Ohne Fußbodenheizung fühlt es sich im Winter kalt an. Mit Fußbodenheizung ist genau das der Vorteil.
- Polierte Oberflächen. Beim Polieren werden die dichten Poren des Scherbens angeschliffen und geöffnet. Poliertes Feinsteinzeug ist deshalb empfindlicher gegen Flecken als mattes und wird bei Nässe rutschig. Eine Imprägnierung hilft, ändert aber nichts an der Rutschhemmung.
- Reparatur. Eine beschädigte Platte lässt sich nur tauschen, nicht ausbessern. Bewahren Sie deshalb immer ein paar Platten aus derselben Charge auf. Wir weisen beim Kauf darauf hin und runden auf volle Pakete auf.
- Preis. Gegenüber Steingut oder einfachem Steinzeug zahlen Sie für den Scherben mehr. Dafür hält er in der Regel länger als die nächste Einrichtung.
- Verlegung. Weil die Rückseite kaum Wasser aufnimmt, haftet nur ein C2-Kleber zuverlässig. Großformate verlangen einen ebenen Untergrund und das Buttering-Floating-Verfahren. Fehler beim Verlegen zeigen sich hier deutlicher als bei kleinen Formaten.
Glasiert oder durchgefärbt?
Ein Unterschied, den viele Produktseiten verschweigen: Glasiertes Feinsteinzeug trägt das Dekor als Glasurschicht auf einem meist hellen Scherben. Platzt an einer Kante ein Stück ab, sieht man den Scherben. Durchgefärbtes Feinsteinzeug ist bis in den Kern eingefärbt, eine Beschädigung fällt kaum auf. Dafür ist die Auswahl an Dekoren kleiner und der Preis höher. Für stark belastete Flächen wie Eingangsbereiche oder Werkstätten empfehlen wir durchgefärbt, für das Wohnzimmer reicht glasiert.
Wann Feinsteinzeug trotzdem die richtige Wahl ist
Für Terrasse, Balkon, Flur, Küche, Fußbodenheizung und für jeden Boden, der lange halten soll, gibt es derzeit keine bessere Keramik. Die Nachteile oben sind Aufwand beim Einbau, nicht Schwächen im Betrieb. Wer sie kennt, plant sie ein: den richtigen Kleber, den passenden Verleger, ein paar Ersatzplatten im Keller.
In unserer Ausstellung in Bonn-Lengsdorf liegen matte, polierte und strukturierte Oberflächen als Fläche nebeneinander. Gehen Sie mit nassem Finger drüber, dann wissen Sie, welche in Ihre Dusche darf und welche nicht.
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