Nicht geeignet fürs Bad sind Steingutfliesen auf dem Boden, poliertes Feinsteinzeug in der Dusche und jeder Bodenbelag, dessen Rutschhemmung barfuß nicht geprüft ist. An der Wand ist fast alles erlaubt, auf dem Boden entscheiden Wasseraufnahme und Trittsicherheit.
Welche Fliesen sind fürs Bad nicht geeignet?
Im Bad gibt es zwei Flächen mit völlig unterschiedlichen Anforderungen. Die Wand muss schön sein und Spritzwasser abkönnen. Der Boden muss Wasser, Gewicht, nasse Füße und Reinigungsmittel aushalten. Deshalb fällt die Antwort für Wand und Boden verschieden aus.
Auf dem Boden ungeeignet:
- Steingut. Steingutfliesen nehmen mehr als 10 Prozent Wasser auf und haben einen weichen Scherben. Sie sind als Wandfliese hervorragend, weil leicht und gut zu schneiden. Auf dem Boden brechen sie unter Last, die Glasur verkratzt, und Wasser, das durch eine Fuge dringt, bleibt im Scherben.
- Poliertes Feinsteinzeug im Duschbereich. Der Scherben ist dicht, aber die polierte Oberfläche wird nass glatt wie Glas. In der bodengleichen Dusche ist das ein Sturzrisiko, nicht nur eine Stilfrage.
- Fliesen ohne Angabe zur Rutschhemmung barfuß. Dazu gleich mehr, weil hier der häufigste Irrtum liegt.
- Marmor und säureempfindlicher Naturstein ohne Beratung. Marmor ist Kalk. Ein saurer Badreiniger ätzt die Politur in einer Minute matt. Wer Marmor im Bad will, bekommt ihn bei uns aus dem eigenen Steinwerk, aber mit dem passenden Reiniger und einer ehrlichen Pflegeanweisung.
An der Wand ungeeignet: fast nichts. Steingut, Steinzeug, Feinsteinzeug, Glasmosaik, Naturstein funktionieren alle. Der Unterschied liegt im Gewicht (Großformate brauchen einen tragfähigen Untergrund) und in der Abdichtung dahinter, nicht in der Fliese.
R10 ist nicht die Antwort für die Dusche
Im Internet steht überall „für das Bad mindestens R10". Das ist nur halb richtig. Die R-Klassen R9 bis R13 nach DIN 51130 werden mit Schuhen geprüft. Sie sagen etwas über den Badboden, auf dem Sie mit Hausschuhen stehen. Für Bereiche, die barfuß und nass genutzt werden, also die Dusche selbst, gilt die Bewertungsgruppe A, B oder C nach DIN 51097, geprüft mit nackten Füßen und Seifenwasser. Beide Verfahren sind heute in der DIN EN 16165 zusammengefasst.
Eine R10-Fliese kann barfuß gut oder schlecht sein, das sagt die R-Klasse schlicht nicht aus. Für die bodengleiche Dusche im privaten Bad empfehlen wir Gruppe B. Für den restlichen Badboden ist R10 eine vernünftige Wahl, weil R11 rauer ist und sich deutlich schwerer reinigen lässt. Fragen Sie beim Kauf nach beiden Werten. Bei uns stehen sie auf dem Datenblatt jeder Serie.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Wasseraufnahme für den Boden unter 3 Prozent (Steinzeug), besser unter 0,5 Prozent (Feinsteinzeug).
- Oberfläche matt oder leicht strukturiert. Hochglanz zeigt Kalk und Seife und ist nass rutschig.
- Rutschhemmung R10 für den Badboden, A/B/C-Gruppe für die Dusche.
- Abdichtung unter der Fliese. Keine Fliese ist wasserdicht, die Fuge erst recht nicht. Dicht ist die Verbundabdichtung darunter. Das ist Sache des Verlegers, aber Sie sollten wissen, dass sie dazugehört.
- Format passend zum Gefälle. In der bodengleichen Dusche braucht es ein Gefälle zum Ablauf, und das geht mit kleineren Formaten oder Mosaik leichter als mit einer 120er-Platte. Bei Großformat wird die Platte diagonal geschnitten, das kann ein guter Verleger, es kostet aber Zeit.
Sehen Sie es nass
Ob eine Fliese in die Dusche darf, merken Sie mit einem Sprühstoß Wasser und der Handfläche. In unserer Ausstellung in Bonn-Lengsdorf liegen die Duschböden als Fläche, nicht als Musterkarte. Bringen Sie Ihren Grundriss mit, wir sagen Ihnen, welche Serie an die Wand, welche auf den Boden und welche in die Dusche gehört.
Weiterlesen: R9, R10 oder R11? Die R-Klassen erklärt · Matt oder glänzend?