Kurz gesagt
Ein barrierefreies Bad braucht nach DIN 18040-2 vor Waschtisch, WC und Dusche je eine freie Bewegungsfläche von 120 × 120 cm, rollstuhlgerecht 150 × 150 cm. Die Dusche ist bodengleich, ohne Absenkung oder Aufkantung, mit höchstens 2 % Gefälle zum Ablauf. Am Boden liegen rutschhemmende, matte Fliesen, in der Dusche eine Fliese mit Barfuß-Bewertungsgruppe B. Kontraste zwischen Boden, Wand und Sanitärobjekten helfen bei der Orientierung.
Ein barrierefreies Bad zu fliesen heißt vor allem: Die Fliese muss zur Planung passen, nicht umgekehrt. Ob Sie für die Eltern umbauen, für sich selbst vorsorgen oder neu bauen, bei uns in der Badausstellung in Bonn-Lengsdorf stehen am Anfang meist dieselben Fragen. Wie groß muss die Dusche sein? Welche Rutschhemmung ist richtig? Und welches Format geht am Boden überhaupt? Die Antworten unten folgen der DIN 18040-2 für barrierefreie Wohnungen und den Hinweisen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Barrierefrei oder rollstuhlgerecht: der Unterschied
Die DIN 18040-2 kennt zwei Stufen. „Barrierefrei“ meint ein Bad, das auch mit Rollator oder eingeschränkter Beweglichkeit gut nutzbar ist. „Rollstuhlgerecht“, in der Norm mit R gekennzeichnet, verlangt mehr Platz. Welche Stufe Sie brauchen, entscheidet über Raumgröße, Duschfläche und Türbreite und damit auch über die Fliesenfläche.
| Merkmal | barrierefrei | rollstuhlgerecht |
|---|---|---|
| Bewegungsfläche vor WC, Waschtisch, Dusche | 120 × 120 cm | 150 × 150 cm |
| Duschplatz | bodengleich, mindestens 120 × 120 cm | bodengleich, 150 × 150 cm |
| Gefälle in der Dusche | höchstens 2 % | höchstens 2 % |
| Türbreite (lichte Breite) | mindestens 80 cm | mindestens 90 cm |
Quelle: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Faltblatt „Barrierefreie Duschen“ (2023), nach DIN 18040-2.
Die bodengleiche Dusche: Gefälle und Fliesenformat
Bodengleich heißt: kein Absatz, keine Kante, keine Wanne. Der Duschbereich geht ohne Absenkung oder Aufkantung in den übrigen Boden über. Das Wasser läuft über ein Gefälle von höchstens 2 % zum Ablauf. Mehr Gefälle wäre für Rollator und Rollstuhl unangenehm, weniger lässt Wasser stehen.
Wie das Gefälle angelegt wird, entscheidet über das Format. Mit einer Rinne an der Wand fällt die Fläche nur in eine Richtung, dann gehen auch große Fliesen. Beim Punktablauf in der Mitte fällt der Boden zu vier Seiten. Hier sind kleinere Formate oder Mosaik einfacher, weil sie dem Gefälle folgen, und der höhere Fugenanteil gibt dem Fuß zusätzlich Halt. Wie Gefälle, Ablauf und Abdichtung zusammenhängen, steht ausführlich in Bodengleiche Dusche fliesen.
Unter jeder gefliesten Dusche liegt eine Abdichtung. Fliese und Fuge halten das Wasser nicht zurück, das gilt im barrierefreien Bad genauso.
Welche Rutschhemmung im barrierefreien Bad?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt einen rutschhemmenden Belag im gesamten Bad, nicht nur in der Dusche. Für die Auswahl gibt es zwei Skalen, die oft verwechselt werden:
- R9 bis R13 nach DIN 51130 gilt für Böden, die man mit Schuhen betritt. Für den trockenen Bereich im Bad wird häufig R10 empfohlen.
- A, B und C nach DIN 51097 gilt für nassbelastete Barfußbereiche. Die DGUV Information 207-006 ordnet Duschräumen die Bewertungsgruppe B zu. Für private Bäder ist das keine Pflicht, aber ein guter Maßstab.
Eine Fliese kann beide Angaben tragen, zum Beispiel R10 und B. Achten Sie auf das Datenblatt, nicht auf Begriffe wie „rutschfest“ auf dem Karton. Polierte oder hochglänzende Fliesen gehören im barrierefreien Bad nicht auf den Boden. Wie die Klassen gemessen werden und welche wohin gehört, erklärt R9, R10 oder R11?
Kontraste: Fliesen als Orientierung
Für Menschen, die schlechter sehen, sind Kontraste wichtiger als jede Dekorfliese. Die Verbraucherzentrale rät, Boden und Wand sowie Boden und Duschbereich farblich voneinander abzusetzen und Sanitärobjekte und Griffe von der Wand zu unterscheiden. Ein weißer Waschtisch vor weißen Fliesen verschwindet für viele. Ein dunklerer Boden mit hellerer Wand oder ein abgesetzter Fliesenstreifen in Griffhöhe schafft Orientierung, ohne nach Klinik auszusehen. Wichtig ist auch blendfreies Licht, glänzende Oberflächen spiegeln und erschweren das Sehen.
Was vor dem Fliesen feststehen muss
- Stufe festlegen: barrierefrei oder rollstuhlgerecht. Davon hängen Duschfläche und Bewegungsflächen ab.
- Ablauf und Gefälle planen: Rinne oder Punktablauf, Höhe des Abflusses, Aufbauhöhe im Altbau.
- Wandverstärkung für Griffe: Stütz- und Haltegriffe brauchen tragfähige Wände. In Leichtbauwänden muss die Verstärkung vor dem Fliesen eingebaut werden, nachträglich wird es teuer und sichtbar.
- Fliese nach Datenblatt wählen: Rutschhemmung, Bewertungsgruppe für die Dusche, matte Oberfläche, Format passend zum Gefälle.
- Kontraste festlegen: Boden, Wand, Dusche und Sanitärobjekte gemeinsam auswählen, am besten an großen Mustern bei Tageslicht.
Ein Beispiel aus der Beratung
So läuft es häufig: Eine Familie aus dem Rhein-Sieg-Kreis baut das Bad der Eltern um. Die Wanne fliegt raus, eine bodengleiche Dusche kommt hinein. Der Fliesenleger plant eine Rinne an der Wand, deshalb ist ein größeres Format am Boden möglich. In der Ausstellung legen wir zwei matte Feinsteinzeugfliesen mit R10 und Bewertungsgruppe B nebeneinander, dazu eine deutlich hellere Wandfliese. Die Eltern entscheiden sich für den dunkleren Boden, weil sie den Übergang zur Wand besser sehen. Die Griffpositionen stehen fest, bevor der erste Kleber angerührt wird.
Häufige Fragen
Welche Fliesen sind für ein barrierefreies Bad geeignet?
Matte, rutschhemmende Fliesen, meist Feinsteinzeug. Für den Boden ist R10 ein häufiger Richtwert, für die Dusche zusätzlich die Barfuß-Bewertungsgruppe B. Entscheidend ist das Datenblatt der einzelnen Fliese. Welche Fliesen im Bad grundsätzlich nicht passen, steht in Welche Fliesen sind fürs Bad nicht geeignet?
Wie groß muss eine barrierefreie Dusche sein?
Mindestens 120 × 120 cm, für Rollstuhlnutzer 150 × 150 cm, jeweils bodengleich.
Wie viel Gefälle darf die barrierefreie Dusche haben?
Höchstens 2 % zum Ablauf. Das reicht, damit das Wasser abläuft, und ist für Rollator und Rollstuhl noch gut zu bewältigen.
Sind große Fliesen im barrierefreien Bad möglich?
Ja, vor allem mit einer Duschrinne an der Wand, weil die Fläche dann nur in eine Richtung fällt. Beim Punktablauf in der Mitte sind kleinere Formate oder Mosaik meist die bessere Wahl.
Barrierefreies Bad planen in Bonn-Lengsdorf
In unserer Ausstellung sehen Sie Bodenfliesen mit Rutschhemmung als ganze Fläche und können Kontraste direkt nebeneinander vergleichen. Beratung bekommen Sie ohne Termin. Über unser Anfrageformular können Sie vorab ein Foto vom Bad oder den Grundriss mitschicken. Verlegen tun wir nicht selbst. Den Kontakt zu einem Fachbetrieb aus der Region stellen wir über unser Handwerkernetz her.