Kurz gesagt
Poliert gehört nach drinnen: auf Waschtisch, Fensterbank, Küchenrückwand und Wand, denn nass wird die glatte Fläche rutschig. Geschliffen ist die ruhige, matte Wahl für Böden und Innentreppen. Draußen auf Terrasse, Stufe und Podest braucht Naturstein eine raue Oberfläche wie geflammt, sandgestrahlt, gestockt oder spaltrau, als Richtwert mindestens R11. Flammen lassen sich nur Hartgesteine wie Granit oder Basalt, Marmor nicht.
Dieselbe Granitplatte kann spiegeln, seidig matt sein oder sich anfühlen wie grobes Schleifpapier. Den Unterschied macht die Naturstein-Oberfläche, also die Bearbeitung nach dem Sägen. Sie entscheidet über Rutschhemmung, Farbe und Pflege oft mehr als die Steinsorte. Hier lesen Sie, welche Oberflächen es gibt, welche wohin passt und wie Sie ein Muster richtig prüfen.
Welche Naturstein-Oberflächen gibt es?
Die Namen schwanken von Händler zu Händler, gemeint sind aber meist dieselben Bearbeitungen:
- Poliert. Die Platte wird in immer feineren Stufen geschliffen, bis sie glänzt. Farbe und Maserung kommen am kräftigsten heraus.
- Geschliffen (auch „gehont“ oder englisch honed). Matt bis leicht seidig, je nach Körnung. Die Farbe wirkt etwas heller und ruhiger als poliert.
- Satiniert oder gebürstet (oft „leather“ genannt). Geschliffen und danach mit Bürsten nachbearbeitet. Die Fläche fühlt sich weich an, Fingerabdrücke und feine Kratzer fallen weniger auf.
- Geflammt. Eine heiße Gasflamme lässt die obersten Kristalle absplittern. Die Fläche wird rau und griffig, die Farbe meist heller und grauer.
- Geflammt und gebürstet. Die geflammte Fläche wird nachgebürstet. Sie bleibt griffig, fühlt sich angenehmer an und bekommt einen Teil der Farbe zurück.
- Sandgestrahlt. Ein Strahlmittel raut die Fläche fein und gleichmäßig auf.
- Gestockt. Ein Stockhammer schlägt eine grobe, handwerkliche Struktur in den Stein.
- Spaltrau oder gespalten. Die natürliche Spaltfläche bleibt stehen, typisch bei Schiefer, Quarzit oder Porphyr.
- Getrommelt. Kanten und Fläche werden in einer Trommel gebrochen, das ergibt einen antiken Look. Üblich bei Marmor, Travertin und Kalkstein.
Naturstein-Oberflächen im Vergleich
| Oberfläche | Wirkung | Rutschhemmung (Orientierung) | Passt gut für | Eher nicht für |
|---|---|---|---|---|
| Poliert | glänzend, Farbe kräftig | gering, typisch R9 | Waschtisch, Fensterbank innen, Wand, Küchenrückwand | Terrasse, Außentreppe, Duschboden |
| Geschliffen | matt, ruhig | innen meist R9 bis R10 | Böden innen, Innentreppe, Fensterbank | begangene Flächen draußen |
| Satiniert / gebürstet | seidig, weich | innen meist R9 bis R10 | Böden innen, Bad, Rückwand | Außentreppe ohne Prüfwert |
| Geflammt | rau, heller | hoch, typisch R11 | Terrasse, Außentreppe, Podest, Poolrand | Küche (Schmutz setzt sich fest) |
| Geflammt und gebürstet | griffig, angenehmer | hoch | Terrasse, Außentreppe, barfuß draußen | Wand innen (wirkt rustikal) |
| Sandgestrahlt | fein rau, gleichmäßig | hoch | Außenplatten, Stufen, Fassade | polierte Optik gewünscht |
| Gestockt | grob, handwerklich | sehr hoch, R11 bis R12 | Stufen, Podeste, Sockel | Barfußbereiche, Wohnräume |
| Spaltrau | natürlich, uneben | hoch | Terrasse, Wege, Mauer, Wand | glatte Innenböden |
| Getrommelt | antik, Kanten gebrochen | mittel | Bad und Boden innen | Außenstufen |
Die Rutschhemmung in der Tabelle ist eine Orientierung, wie Natursteinhändler sie angeben. Verbindlich ist der Prüfwert nach DIN 51130 für genau diese Platte: Dieselbe Bearbeitung ergibt je nach Stein und Intensität unterschiedliche Klassen. Was R9 bis R13 bedeuten, erklärt unser Ratgeber R9, R10 oder R11?
Welche Oberfläche wohin? Die Regel nach Einsatzort
- Innen, wo niemand läuft: Fensterbank, Waschtisch, Wand und Küchenrückwand dürfen poliert sein. Poliert lässt sich am leichtesten wischen, zeigt aber Kratzer. Bei Marmor hinterlassen Zitrone und Essig matte Stellen, egal wie poliert er ist.
- Innen, wo gelaufen wird: Für Boden und Treppe ist geschliffen oder satiniert die sichere Wahl. Eine polierte Treppenstufe sieht edel aus, wird mit Socken aber glatt. Mehr dazu im Ratgeber Treppenstufen innen.
- Bad und Dusche: Auf dem Duschboden zählt die Barfuß-Bewertung nach DIN 51097, für Duschen gilt Gruppe B. Ein polierter Stein gehört hier nicht auf den Boden, an die Wand der Dusche dagegen schon.
- Draußen auf begangenen Flächen: Terrasse, Stufe, Podest und Poolrand brauchen eine raue Bearbeitung: geflammt, geflammt und gebürstet, sandgestrahlt, gestockt oder spaltrau. Als Richtwert gilt draußen mindestens R11. Wie Sie eine Außentreppe richtig planen, steht im Ratgeber Treppenstufen außen aus Granit.
- Draußen, wo niemand läuft: An senkrechten Flächen oder Abdeckungen spielt die Rutschhemmung kaum eine Rolle. Dort entscheiden Optik und wie leicht die Fläche sauber bleibt.
Welche Steine lassen sich flammen?
Beim Flammen fährt eine Gasflamme mit mehreren hundert Grad über die Platte. Die Kristalle an der Oberfläche dehnen sich unterschiedlich aus und platzen ab. Das funktioniert bei Hartgesteinen, am besten bei Granit mit seinem hohen Quarzanteil, auch bei Basalt. Quarzreicher Sandstein lässt sich ebenfalls flammen, das kommt aber selten vor.
Marmor, Kalkstein und Travertin lassen sich nicht flammen. Wer sie rauer haben möchte, bekommt sie getrommelt, gebürstet oder gestrahlt. Für Außentreppen und Terrassen ist Hartgestein ohnehin meist die robustere Wahl.
Rechnen Sie beim Flammen mit einer anderen Farbe als am polierten Muster. Die Fläche wird heller und grauer, gelblicher Granit kann ins Rötliche gehen, weil sich das Eisenoxid im Stein durch die Hitze verändert. Bürsten nach dem Flammen holt einen Teil der Farbe zurück.
Farbe und Pflege: Was die Oberfläche verändert
- Glatte Flächen (poliert, fein geschliffen) lassen sich am einfachsten reinigen. Dafür sieht man auf ihnen Kratzer, Wasserflecken und bei Marmor Säurespuren eher.
- Grob geschliffene Flächen nehmen Flecken leichter an als polierte oder fein geschliffene. In der Küche und in der Dusche merkt man das.
- Raue Flächen halten Schmutz in der Struktur fest. Draußen ist das normal, in der Küche stört es. Geflammt und gebürstet ist spürbar leichter sauber zu halten als nur geflammt.
- Imprägnieren hängt von der Steinsorte ab, nicht von der Oberfläche allein. Hartgesteine wie Granit brauchen meist wenig, weiche und offenporige Steine mehr.
Ein einfacher Test am Muster: Machen Sie die Platte nass und fahren Sie mit der flachen Hand darüber. Was sich nass schon unter der Hand glatt anfühlt, ist für draußen zu glatt. Und schauen Sie sich die Oberfläche bei Tageslicht an, nicht nur unter dem Strahler.
Ein Beispiel aus der Praxis
So kann eine Planung aussehen: Ein Haus in Bonn bekommt Granit im Eingang. Die Innentreppe wird geschliffen, das Podest vor der Haustür und die drei Außenstufen werden geflammt, alles aus demselben Stein. Drinnen wirkt die Treppe ruhig und lässt sich gut wischen. Draußen hat der Stein auch bei Regen Griff. Weil die geflammte Fläche heller ausfällt, sollte sich der Bauherr beide Oberflächen vorher am Muster nebeneinander ansehen. Dann gibt es nach dem Einbau keine Überraschung an der Haustür.
Häufige Fragen
Ist geschliffener Naturstein rutschfest?
Für Böden und Treppen innen reicht er in der Regel, Händler geben meist R9 bis R10 an. Für Terrasse und Außentreppe ist er zu glatt, dort gehört eine raue Bearbeitung hin.
Kann man Marmor flammen?
Nein. Flammen geht nur bei Hartgestein wie Granit oder Basalt. Marmor wird für eine rauere Optik getrommelt, gebürstet oder gestrahlt.
Was ist der Unterschied zwischen geflammt und sandgestrahlt?
Beim Flammen platzen durch Hitze Kristalle ab, die Struktur wird gröber und die Farbe heller. Beim Sandstrahlen raut ein Strahlmittel die Fläche feiner und gleichmäßiger auf. Beide sind für draußen geeignet, welche Klasse die Platte erreicht, zeigt der Prüfwert.
Welche Naturstein-Oberfläche ist am pflegeleichtesten?
Glatte Flächen lassen sich am leichtesten wischen. Satiniert ist ein guter Mittelweg: leicht zu reinigen, und Fingerabdrücke und feine Kratzer fallen weniger auf als bei poliert.
Welche Rutschhemmung braucht Naturstein draußen?
Als Richtwert mindestens R11 nach DIN 51130. Am Pool, wo barfuß gelaufen wird, zusätzlich Bewertungsgruppe B oder C nach DIN 51097.
Oberflächen am Stein vergleichen
Am besten entscheiden Sie die Oberfläche mit dem Stein in der Hand. In unserer Ausstellung in Bonn-Lengsdorf sehen Sie Naturstein als Platte, Beratung bekommen Sie ohne Termin. Fensterbänke, Treppenstufen und Abdeckungen fertigen wir im Steinwerk nach Maß, meist in 2 bis 4 Werktagen, bei größeren Mengen nennen wir den Termin mit dem Angebot. Die Maße nimmt auf Wunsch ein Aufmaßtechniker auf. Über unsere Anfrage können Sie vorab ein Foto der Treppe oder Fensterbank mitschicken. Einbauen tun wir nicht selbst, auf Wunsch vermitteln wir einen Fachbetrieb aus der Region.